Hypnose Hilfe Forum

F o r u m => Rund um das Thema 'Hypnose' => Thema gestartet von: Miraculus am 18. Okt 2006, 13:39 Uhr

Titel: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Miraculus am 18. Okt 2006, 13:39 Uhr
Hallo zusammen,

hier bitte ich Euch Beispiele von alltäglicher Suggestion und Hypnose zu beschreiben und kurz zu erläutern, warum es sich dabei jeweils um Hypnose (bzw. Suggestion) handelt.

LG Miraculus
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Lutz am 19. Okt 2006, 02:20 Uhr
Ähm,

entgegen deinem Wunsche zu erklären, warum sich was 'im Alltag' um Suggestion handele, führe ich dennoch mal ein paar Beipiele auf:

- ein mitreißender Kinofilm;
- ein kirchliches Gebet;
- ein klassisches Konzert;
- eine Heizdecken-Werbeveranstaltung;
- Sex;
- politische Reden;
- die gesamte Erziehung;
- die Bibel;
- der Koran;
- eine Signatur: "Wenn irgendein Mensch etwas tun kann, kannst du es auch."
- 1.000.000 andere Dinge...

"Suggestionen" sind doch allgegenwärtig.... ???

Lieben Gruß
Lutz
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Barbara am 19. Okt 2006, 05:40 Uhr
"Suggestionen" sind doch allgegenwärtig.... ???

Gestern hat meine Kollegin mir gesagt, dass sie, seit ich aus dem Urlaub zurück bin, um Augen und Nase sehr blass ist. Ich fragte sie, was sie mir denn damit suggerieren will. Ihre Antwort: "Dass du daran Schuld bist?"

Sie wollte in erster Linie witzig sein und ist sich bestimmt nicht bewußt, was "man" mit solchen Äusserungen bewirken könnte. Ich trage es ihr nicht nach, da sie sich 1. mit dem Thema nicht auskennt und es 2. für sie wohl sehr wichtig ist, um sich selbst nicht belasten zu müssen, die Schuld (blödes Wort!) ganz gerne mal auf andere überträgt.

Ich persönlich finde es allerdings auch manchmal ziemlich schwierig, abzuwägen, wie man sich richtig ausdrücken kann, ohne irgendwelche Suggestionen vom Stapel zu lassen.

Lieben Gruß
Barbara
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Heikje am 19. Okt 2006, 06:38 Uhr
ich sage jetzt mal ganz salopp unsere ganze Kommunikation ist Suggestion.
Fällt beim Gegenüber aber nur auf fruchtbaren Boden, wenn dieser aus seinen ganz ureigenen Gründen damit in Resonanz geht.
Ist das nicht der Fall, prallt das Gesagte wirkungslos ab.

Liebe Grüße
Heikje
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Sandy am 19. Okt 2006, 07:31 Uhr
In Diskussionen kann man sehr suggestiv sein, wenn man den anderen überzeugen will. Vor allem geht man dan meist sehr indirekt vor. Der andere soll es ja nicht gleich merken.
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Miraculus am 19. Okt 2006, 19:16 Uhr
Hallo zusammen,

@ Lutz:
Danke für die Bsps.  :)

Zitat
"Suggestionen" sind doch allgegenwärtig....


Ja, gewiß, und ich werde nie verstehen, wie genau das von international anerkannten Hypnose-Experten geleugnet werden kann.   :(  (Wir hatten uns darüber ja mal privat ausgetauscht.)

Suggestion im engeren Sinne ist es ja aber, wenn jemand auf die berühmte autonom-unbewußte Weise reagiert.
Wenn ich jemanden bitte, das Fenster zu schließen, dann reagiert er ja i.d.R. bewußt-willentlich.

Wenn ich dagegen ein feines Essen ganz plastisch beschreibe und ihm dabei Erinnerungen an den Geschmack kommen, und er sogar körperlich durch erhöhte Sekretion von Speichel und Magensaft reagiert, dann ist das eher unwillkürlich-unterbewußt gesteuert.

In der Prxis sind die Übergänge m.E. oft fließend.

Ich selbst hatte eine gewisse Zeit gebraucht um zu verstehen, warum viele alltägliche Suggestionen im Prinzip das gleiche sind wie hypnotische Suggestionen. Deshalb könnten vielleicht Erläuterungen dazu bei ein paar Beispielen manchen helfen.  :)

Zwei Beispiele noch für alltägliche Suggestionen, wobei Fall 2 eigentlich schon weniger alltäglich ist, wenigstens in dieser Form:


"...Diese Beeinflussung kann bereits über Mimik und Gestik, aber auch den verbalen Ausdruck geschehen. Z.B. gibt es unter Kellnern einen alten Trick, nach dem der Gast bei der Frage, ob man ihm nachschenken solle, durch ein leichtes Kopfnicken bzw. Kopfschütteln beeinflusst werden kann."
(aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Suggestion)

und

http://www.quarks.de/dyn/3736.phtml
http://www.quarks.de/humbug/index.htm

LG Miraculus
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Miraculus am 20. Okt 2006, 12:11 Uhr
Hallo alle,

vielleicht können wir noch ein paar Beispile von "intensiverern", längeren hypnotischen Kommunikationen des Alltags zusammentargen, wo es um mehr geht als eine Einzelsuggestion.

LG Miraculus
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Miraculus am 22. Okt 2006, 18:53 Uhr
Hallo zusammen,

traut sich denn keine(r) mehr?  ;)

Lutz hatte ja das Bsp. "Sex" gebracht. Das könnte z.B. als längere informelle Hypnose gelten.
Ich bin mir da aber nicht sicher, ob das so geht. Daß Sex von Suggestionen begleitet ist ist klar, aber mehr?
Oder bin ich jetzt zu spitzfindig?  :o

Ein Besispiel für eine hypnotische Kommunikation ist wohl jedes Gespräch, welches von wenigestens einer Seite als besonders wichtig angesehen wird und mit hoher Aufmerksamkeit und Aufnahmebereitschaft einhergeht.

LG Miraculus
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Lutz am 24. Okt 2006, 00:12 Uhr
Hallo Miraculus,

mit dem Begriff "Hypnose im Alltag" tu ich mich etwas schwer, denn als Hypnose würde ich nur ein Tun beschreiben, bei dem der Handelnde die Folgen seines tranceinduzierenden Tuns auch als solche kennt und diese auch will oder zumindest akzeptiert; "Hypnotisches", so wie auch von dir zuletzt formuliert, gibt es jedoch oft im Alltag.

Neben den schon genannten Beispielen wäre ja alles, was jemanden in einen anderen Bewusstseinszustand führen soll oder dies in Kauf nimmt, irgendwie "hypnotisch". Weitere Beispiele für längere Episoden, die bei manchen einen andauernden anderen Zustand erzeugen können, wären

- Urlaub
- Schiffs-/Flugreise
- Arztbesuch/Krankenhausaufenthalt/Kur...
- Ballonfahren/Fallschirmspringen
- Sport/Tanz
- usw.

Zitat
Ich bin mir da aber nicht sicher, ob das so geht. Daß Sex von Suggestionen begleitet ist ist klar, aber mehr?

Sex ist m.E. ohne Frage ein Beispiel für das gezielte Herbeiführen eines anderen Bewusstseinszustandes, dem sogar typische Merkmale einer Trance anhaften wie z.B. Dissoziation, Zeitverzerrung, veränderte Körperwahrnehmung usw.  :)

Lieben Gruß
Lutz
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Miraculus am 24. Okt 2006, 16:49 Uhr
Hallo zusammen,

@ Lutz: Das leuchtet ein!  :)

@ alle:

Vielleicht können wir noch ein paar Beispiele zusammentragen, wie alltägliche Suggestionen, die vielleicht nur einmal ausgesprochen wurden, eine enorm starke und dauerhafte Wirkung hervorbringen kann.  :)

LG Miraculus
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Heikje am 24. Okt 2006, 20:21 Uhr
da fällt mir doch grad sowas ein...

geh ja nicht mit nassen Haaren raus, da bekommt man eine Hirnhautentzündung !!!
Ich weiß nicht wieviel Jahre mir der dämliche Spruch drohend im Genick saß...
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Lutz am 24. Okt 2006, 23:53 Uhr
Ach Gott ja, mein altes Thema!  ;D

"Wenn du mit nassen Haaren rausgehst, wirst du krank!", hatte mir Omi damals gesagt. Und Lutz hatte ihr viele Jahre geglaubt und hat nach Regenfällen insgesamt Wochen(!) krank im Bett zugebracht. Bis mir vor ein paar Jahren der (gut gemeinte) Schwindel als solcher bewusst wurde...

Und bei der Klapperstorch-Geschichte kommen mir inzwischen auch Zweifel...  :hmmm:

Lieben Gruß
Lutz
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Sandy am 25. Okt 2006, 16:39 Uhr
Und bei der Klapperstorch-Geschichte kommen mir inzwischen auch Zweifel...  :hmmm:

Lieben Gruß
Lutz

Echt??? Du meinst, das geht anders??  ::)
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Lutz am 26. Okt 2006, 02:01 Uhr
Klar, ich bin doch nicht blöd! Nach all meinen intensiven Beobachtungen auf diesem Gebiet hab ich inzwischen mehr und mehr die Klapperstörchin im Verdacht...  ::)
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Sandy am 26. Okt 2006, 15:01 Uhr
 ;D mhm .... klingt gar nicht so dumm!!  ::)
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Miraculus am 26. Okt 2006, 17:26 Uhr
Hallo Ihr Hobby-Ornithologen,  ;D

die Suggestionen in der Erziehung sind wohl mir die stärksten, und neben denen im klinischen Bereich, leider oft auch die problematischsten.  :(

Kann man nach Eurer Meinung eigentlich sagen, daß jeder "fremdinduzierten" tiefgreifenden psychischen Veränderung "auch" eine Suggestionzugrundeliegt?

LG Miraculus

Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Susanne am 27. Okt 2006, 07:13 Uhr
Klapperstörchin? - Ah ja - daher haben die in der KLinik immer einen Vorrat an Babies, die sie Frauen mitgeben, welche mit Bauchweh ins Krankenhaus gehen.  ;D
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Lutz am 27. Okt 2006, 12:00 Uhr
@ Susanne:

Genau! Und besagte Babies werden vorher von der Klapperstörchin bei der Klinik angeliefert, dafür haben die extra einen Landeplatz mit einem großen "H" (für HIER).


@ Miraculus:

Zitat
Kann man nach Eurer Meinung eigentlich sagen, daß jeder "fremdinduzierten" tiefgreifenden psychischen Veränderung "auch" eine Suggestionzugrundeliegt?

Siehst du einen Unterschied zwischen "fremd-induziert" und "fremd-suggeriert"? Ich nicht.

Lieben Gruß
Lutz
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Miraculus am 27. Okt 2006, 12:16 Uhr
Hallo an alle,

@ Lutz:

Zitat
Siehst du einen Unterschied zwischen "fremd-induziert" und "fremd-suggeriert"? Ich nicht.

Hm, ja, ich tu mich damit noch etwas schwer. Ich bin mir nicht so sicher, wie das Verhältnis von rationel-argumentativer und suggestiver Beeinflussung aussieht. Gewisse Unterschiede muß es zumindest in der Tendenz schon geben.

Es ist ja ein Unterschied, ob jemand eine Metapher in Trance-Sprache erzählt, oder ob er mit ausgefeilten Argumenten einen wissenschaftlichen Vortrag vor kritischen Zuhörern hält. (Ein solcher SOLLTE eigentlich nicht zu "hypnotisch" sein und eher dem Meta- als dem Milton-Modell entsprechen, also die links- und nicht die rechtshemisphärische Gehirnhälfte ansprechen.)
In jeder Kommunikation ist ganz sicher Suggestion, die auf irrationae, unbewußte, imaginative und emotionele Seiten des Menschen zielt, aber wo und wie das jeweils zum Tragen kommt ist ja noch mal etwas anderes, und da bin ich teilweise noch am Suchen...

LG Miraculus
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Lutz am 31. Okt 2006, 02:06 Uhr
Hallo Miraculus,

hatte mir deinen Beitrag erstmal auf "Wiedervorlage" gesetzt, weil ich erst nicht so recht... du meinst also, ob einem "sachlich überzeugenden" Vortrag auch Suggestives innewohnt?

In der NLP-Literatur ist öfter die Rede davon, dass die Bewertung eines Vortrages (auch die inhaltliche!) zu 80% (?) von anderen Dingen als dem Inhalt abhängt (Stimme, Gestik, Aussehen usw.). Und das sind natürlich - wenn man so will - "unbewusste Suggestionen". Für eine rein "objektive" Bewertung ist der Mensch die falsche Lebensform, dafür sind wir nicht gebaut, wie zahlreiche psychologische Forschungen zeigen.

Um in Hirnhälften zu sprechen: Chef ist immer die rechte.  ;)

Lieben Gruß
Lutz
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: rüdiger am 01. Nov 2006, 10:54 Uhr
Zitat
Um in Hirnhälften zu sprechen: Chef ist immer die rechte. 

auch bei einem weiblichen Publikum ? ;)

Freundliche Grüße
Rüdiger
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Miraculus am 03. Nov 2006, 12:07 Uhr
Hallo zusammen,

Zitat Lutz:

Zitat
... du meinst also, ob einem "sachlich überzeugenden" Vortrag auch Suggestives innewohnt?

Weniger. Ich meine mehr, daß nicht JEDE Art der induzierten Veränderung eine Suggestion im engeren, "hypnoseartigen" Sinn ist.
Wenn ich z.B. mit einem Freund darüber streite, ob 169 eine Primzahl ist oder nicht, ich meine ja, er nein, und ich ihm dann sage, daß die Zahl durch 13 teilbar ist, dann habe ich (nach Nachrüfung) eine Veränderung in sein Denken "induziert" (hoffentlich).
Das ist aber ja eigentlich keine "Suggestion" in der engeren Wortbedeutung.

Wenn ich ihn dagegen dazu überreden will, mit mir eine Pizza zu essen, und dabei so eine warme duftende Pizza mit ihrem Käse und dem Rest so lange beschreibe, bis ihm das Wasser im Munde zusammenläuft, und er dann überzeugt ist, dann ist das ja schon eigentlich "hypnotisch".

So wenig das in vielen Fällen in der Praxis abgrenzbar ist, so frage ich mich doch, wo die prinzipielle Trennlinie zwischen "hypnotischer" und non-hypnotischer Beeeinflussung verläuft, oder, anders gesagt, welche Aspekte einer Einwirkung auf einen anderen "hypnotisch" sind und welche nicht.

LG Miraculus
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Lutz am 03. Nov 2006, 14:04 Uhr
Zitat
...ob 169 eine Primzahl ist oder nicht, ich meine ja, er nein, und ich ihm dann sage, daß die Zahl durch 13 teilbar ist, dann habe ich (nach Nachrüfung) eine Veränderung in sein Denken "induziert" (hoffentlich).

Also wenn es dir wirklich gelingen sollte, mit der Argumentation, '169' sei eine Primzahl, weil sie durch 13 teilbar ist, eine Veränderung in seinem Denken zu bewirken, dann kann das nur Suggestion sein. Denn sachlich ist es ja falsch.  ;D

Lieben Gruß
Lutz
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Miraculus am 03. Nov 2006, 18:11 Uhr
Menno, da hab ich beim Schreiben gschlafen... ;D
Aber ist vielleichtt gar nicht so schlecht, denn es zeigt ja wirklich recht klar den Unterschied zwischen Suggestion (im engeren Sinne) und nicht-hypnotischer Beeinflussung...aber wo liegen die Grenzen?

LG Miraculus
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Barbara am 03. Nov 2006, 18:31 Uhr
Du zerstreuter Professor, du!  :)

Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Miraculus am 04. Nov 2006, 16:44 Uhr
Du zerstreuter Professor, du!  :)



Professor ja, zerstreut nein! Oder war das jetzt umgekehrt? :hmmm:
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Miraculus am 06. Nov 2006, 15:23 Uhr
Aber um nochmals darauf zurückzukommen: ie grenzt Ihr die "eigentliche" Suggestion mit dem "hypnotischen" Wirkprinzip gegen andere Formen der Beeinflussung ab?

Selbstwenn solche Unterscheidungen im Alltag nur von begrenzter Relevanz sind, so interesieren mich doch die grundsätzlichen Unterscheidungen....


LG Miraculus
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Lutz am 06. Nov 2006, 19:21 Uhr
Für mich wird eine Beeinflussung zur "hypnotischen Beeinflussung" nur durch eine vorhandene Trance, der eigentliche Vorgang aber scheint mir derselbe zu sein.

Wenn ein Chemie-Lehrer in der Schule ein Stück Würfelzucker zum Brennen bringt, indem er vorher den "Trick" angewendet hat, es vorher mit Zigarettenasche zu benetzen, dann ist das ja nur vordergründig ein "objektiver" Erkenntnisgewinn. Bei näherer Betrachtung wohnen ja auch so einem Experiment zahlreiche suggestive Faktoren inne:

- das Ganze passiert im Schulunterricht.
- ein Chemie-Lehrer weiß sowas.
- wenn er sagt, dass es Würfelzucker ist, dann ist es auch Würfelzucker und sieht nicht nur so aus.
- alle um mich herum scheinen ihm auch zu glauben.
- ...

Wenn mir der gleiche Versuch von meinem fiktiven Kumpel Paul vorgemacht würde, der bekanntermaßen ein Witzbold und gewiefter Zauberkünstler dazu ist, würden ganz andere begleitende Suggestionen mitspielen, die bei mir ggf. eine andere Reaktion hervorrufen würden.

Ergo: für mich hat jede "induzierte Veränderung" einen suggestiven Anteil, weil es einen "objektiven Erkenntnisgewinn" (im psychologischen Sinne) nicht gibt. Womit wir aber mitten drin in der Philosophie sind.  ;)

Lieben Gruß
Lutz
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Miraculus am 07. Nov 2006, 18:42 Uhr
Hallo Lutz und alle,

ich finde das Beispiel gut und erhellend und allemal einer Diskussion wert (DeTrance hatte ja schon entsprechende Diskussionen eröffnet, wo man weitermachen könnte).

Dennoch meine ich, daß es noich einen bestimmten Aspekt gibt, auf den wir unser Augenmerk richten sollten:

Wenn jemand, um Dein letztes Beispiel aufzugreifen, dem Experiment des Cheielehrers mehr glaubt als dem seines Fruendes Paul, dann kann er letztendlich rationale Gründe für seine Meinung angeben, nämlich die, die Du auch dargelegt hast. Er muß sich nicht unbedingt all dieser Gesichtspunkte aktuell bewußt sein, aber er kann sie wenigstens im Prinzip reflektieren.
Er könnte also die Frage, warum er dem Chemielehrer eher glaubt als einem Scherzbold, wahrscheinlich rasch beantworten.

Wenn wir dagegen z.B. an eine Levitation denken, die unwillkürlich stattfindet, dann kann dieses Verhalten nicht "rational" verstanden und nachvollzogen werden. Im Gegentei: Das Heben des Arms wird gerade als dissoziiert von der willkürlichen Kontrolle erlebt. Gerade diese partielle Autonomie der Bewegung, die unbewußt hervorgebracht wird, macht das eigentliche Wesen der "hypnotischen" Reaktion  aus. Sonst wäre es ein normales, willkürliches Anheben des Arms.

Zwar kann man eine Verbindung zwischen dem Geben der Suggestion und der Levitation herstellen, auch zwischen der Konzentration auf dieses Ereignis und seinem Eintreten. Worin diese Verbindung nun aber besteht, kann man nicht sagen. Schon gar nicht aber liegt sie in "Vernunftgründen", aus denen man Argumente ableiten könnte, mit denen man ander überzeugen kann.
Anders das Bsp. mit Paul: da könnte man seine Gründe (Handlungsmotive dafür, dem einen zu glauben und dem anderen nicht) anderen Personen in Form von Argumenten mitteilen. Hier kann man verstehen, warum jemand so und so auf eine bestimmte Situation reagiert, und man wird unter dem Einfluss dieser Gesichtspunkte wahrscheinlich ähnlich handeln.

Bei einer Leviatation wird aber niemand einen "Grund" angeben, der als Handlunsgmotivation verständlich wäre und andere überzeugen könnte, "sich" ebenfalls so zu "verhalten". Höchstens wird eine Erzählung "ansteckend" wirken, aber das ist etwas anderes als vernünftige Einsicht und Argumente.
(Im Gegensatz dazu könnte man in bestimmten Situationen vernünftige Gründe finden, um seinen Arm aktiv zu heben, Man kann auch vernünftige Gründe finden, um eine Levitation "anzustoßen", nicht aber, um sie zu "tun", denn man "tut" sie ja nicht, jedenfalls nicht willkürlich und bewußt.)

Das Beispiel mit dem Chemie-Experiment weist eher darauf hin, daß der Gesmtkontext einer Situation dafür wichtig ist, wie wir ein bestimmtes Ereignis in bestimmter Weise werten.
In diesem Fall sind die Faktoren, die hier relevant sind, vermutlich sogar größtenteils rationaler Art.

Dagegen gibt es natürlich auch das Beispiel, daß man jemandem eine sachliche Aussage eaus irrationalen Gründen eher abnimmt, etwa, wenn einem jemand einfach sympathischer ist.

Obwohl "irrationale", emotionale, Faktoren auf unser Verstehen, Werten und Handeln sicher einen großen Eingluß haben, weiß ich nicht, ob man hier schon von Suggestion im Sinne der Hypnose sprechen kann.

Für die Suggestion in der eneren Wortbedeutung scheint es doch wesentlich zu sein, daß etwas nicht bewußt getan wird und in seinem Ablauf der bewußten Reflexion auch prinzipiell entzogen ist.

Selbst aber wenn in jeder Beeinflussung aber Suggestion im hypnotischen Sinne vorhanden ist, dann scheint es doch auch noch daneben einen bestimmten anderen Wirkmechanismus zu geben, der je nach Fall mehr oder weniger stark (oder auch gar nicht) beteiligt ist.
Mir geht es hier auch speziell auch darum, den hypnotischen Faktor - gedanklich - zu isolieren und zu sehen,  worin seine Ähnlichkeit zu einer Suggestion besteht, auf die während einer Trance reagiert wird.

LG Miraculus
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Lutz am 07. Nov 2006, 21:55 Uhr
Hallo Miraculus,

Zitat
Für die Suggestion in der eneren Wortbedeutung scheint es doch wesentlich zu sein, daß etwas nicht bewußt getan wird und in seinem Ablauf der bewußten Reflexion auch prinzipiell entzogen ist.
Selbst aber wenn in jeder Beeinflussung aber Suggestion im hypnotischen Sinne vorhanden ist,...

ich überlege, ob du wirklich (hypnotische) Suggestionen oder was ganz anderes meinst...  :hmmm:

(Unbewusstes) Menschliches Verhalten ist ja generell von einem gewissen "Imitationstrieb" gekennzeichnet, dafür finden sich zahlreiche Indikatoren: Pacen/Leaden, Spiegelneuronen, Priming, Yes-Setting usw. Die größte Lüge, die ich als Kind immer wieder aus damals noch unschuldiger Kehle geträllert hatte, war "Die Gedanken sind frei." Das sind sie eben nicht.

Ständig finden zahlreiche Beeinflussungen statt, denen wir uns regelmäßig unterordnen (wenn nichts Besonderes dagegen spricht). Und dieses Phänomen macht sich die Hypnose eben zunutze...

Lieben Gruß
Lutz
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Miraculus am 14. Nov 2006, 17:47 Uhr
Hallo Lutz,
Zitat

ich überlege, ob du wirklich (hypnotische) Suggestionen oder was ganz anderes meinst...  :hmmm:

Ich dachte schon... :(

Es geht mir nicht nur, aber
Zitat
auch
um Beispiele, die auch einem blutigen Laien im Vorgespräch schnell einlechten.  :)

LG Miraculus
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Lutz am 15. Nov 2006, 11:48 Uhr
Hallo Miraculus,

in deinem vorletzten Beitrag schriebst du
Zitat
Gerade diese partielle Autonomie der Bewegung, die unbewußt hervorgebracht wird, macht das eigentliche Wesen der "hypnotischen" Reaktion  aus.

Bisher ging es um hypnotische Suggestionen, sind wir nun bei hypnotischen Reaktionen?

Zitat
Wenn jemand, um Dein letztes Beispiel aufzugreifen, dem Experiment des Cheielehrers mehr glaubt als dem seines Fruendes Paul, dann kann er letztendlich rationale Gründe für seine Meinung angeben, nämlich die, die Du auch dargelegt hast. Er muß sich nicht unbedingt all dieser Gesichtspunkte aktuell bewußt sein, aber er kann sie wenigstens im Prinzip reflektieren.

Genau. Er kann sie reflektieren, wird es aber in der Regel nicht tun.

Zitat
Bei einer Leviatation wird aber niemand einen "Grund" angeben, der als Handlunsgmotivation verständlich wäre und andere überzeugen könnte, "sich" ebenfalls so zu "verhalten".

Der Grund dafür ist aber - für mich - nicht ein vom ersten Beispiel "prinzipiell" abweichender, sondern besteht lediglich darin, dass sich kaum jemand hinreichend mit der menschlichen Psyche beschäftigt. Täte er dies, wüsste er, dass sich "Suggestionen" nicht nur auf z.B. akzeptierte Inhalte, sondern auch auf körperliche Phänomene gleichermaßen auswirken können.

Ich greife dazu ein von Gunther Schmidt zitiertes Beispiel auf: in einem Experiment wird Probanden das Thema "Altern" näher gebracht und sie sollen dazu Fragebögen ausfüllen. Das "eigentliche" Experiment besteht aber darin, dass nach dieser Aktion gemessen wird, wie schnell die Probanden nach diesem Test den Raum und den Flur davor verlassen. Ergebnis: sie gehen langsamer und behäbiger als eine Vergleichsgruppe ohne vorangegangenes Fixieren auf das Thema "Alter".

Wenn sich nun einer der Langsam-Geher mit solchen Dingen nicht auskennt und sie sich nicht erklären kann (wie derjenige, der staunend seine eigene Levitation registriert), dann macht das ja die vorangegangene Suggestion nicht zu einer prinzipiell anderen, hypnotischen.

Oder du definierst es tatsächlich so: wenn jemandem das Hintergrundwissen für ein induziertes Verhalten fehlt, wird die vorangegangene Suggestion "hypnotisch". Diese Auffassung würde ich allerdings nicht teilen.

Lieben Gruß
Lutz
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Miraculus am 16. Nov 2006, 15:55 Uhr
Hallo Lutz,

ich würde sagen, daß eine Suggestion dann hypnotisch ist, wenn sie geeignet ist, zumindest auch auf unser UB einzuwirken, also eine automatische Antwort hervorzurufen.
In dem von Dir gennannten Beispiel sieht man das: Die Reaktion, die untersucht werden sollte, ist nicht gezielt bewußt gesteuert.

LG Miraculus
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Lutz am 17. Nov 2006, 00:36 Uhr
Hallo Miraculus,

Zitat
ich würde sagen, daß eine Suggestion dann hypnotisch ist, wenn sie geeignet ist, zumindest auch auf unser UB einzuwirken, also eine automatische Antwort hervorzurufen.

nenne mir nur eine Suggestion, die dieses Kriterium nicht erfüllt...  :)

Lieben Gruß
Lutz
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Miraculus am 17. Nov 2006, 10:09 Uhr
Hallo Lutz,

Du hast ja im Prinzip recht.... :)
Mir soll es mehr um so eine pragmatische Richtschnur gehen.
Aber vielleicht könnte man auch einfach sagen:
Eine "Mitteilung" ist insoweit (hypnotische) Suggestion als sie geeignet ist, zu einer unbewußten, "automatischen" Reaktion zu führen.

LG Miraculus
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Lutz am 17. Nov 2006, 12:59 Uhr
Hi Miraculus,

alles in unserer Umwelt (nicht nur Mitteilungen oder Suggestionen oder andere spezielle Dinge) kann zu unbewussten, automatischen Reaktionen führen. Das liegt daran, dass allein ein Individuum (und dessen UB) den Reizen eine Bedeutung gibt.

Den Reizen selbst und damit isoliert eine Funktion zu- oder abzusprechen, ist sinnlos.

Wenn ich beim Spazierengehen den Duft einer Pappel wahrnehme, werde ich sofort an eine Situation in meiner Kindheit mit meinem Opa erinnert und ich gehe unwillkürlich in eine (kleine) Regression.

Wenn mir gestern Mittag ein Kollege das Telefon mit den Worten gab: "Mahlzeit! Deine Frau will dich sprechen", und ich erfahre dann, dass sie beim Einparken mal wieder die Garage zerlegt hat, werde ich auch heute allein beim Wort "Mahlzeit" ggf. eine (unbewusste physiologische) Reaktion zeigen.  :)

Heute morgen hab ich einen Song im Radio gehört, der mich sofort in die Zeit um 1978 versetzte...

Sind Pappeln, "Mahlzeit" und Rod Stewart nun "per se" hypnotisch?

Ich fürchte, das bringt uns nicht weiter...  :)

Lieben Gruß
Lutz
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Sandy am 17. Nov 2006, 13:58 Uhr
@ Miraculus

es gibt einfach keine Richtschnur für alles und jedes. Für Hypnose, u. alles was sie beinhaltet, gibt es das schon überhaut nicht. Warum? Jeder Mensch ist einfach zu individuell ...

Zitat
alles in unserer Umwelt (nicht nur Mitteilungen oder Suggestionen oder andere spezielle Dinge) kann zu unbewussten, automatischen Reaktionen führen. Das liegt daran, dass allein ein Individuum (und dessen UB) den Reizen eine Bedeutung gibt.

Ganz meiner Meinung.  :)
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Miraculus am 21. Nov 2006, 19:22 Uhr
Hallo Lutz und Sandy,

dann wenden wir uns wieder mehr dem ursprünglichen Thema zu und sammeln einfach weitere Beispiele, bei welchen die unbewußte Reaktion erkennbar ist, wie bei jenem Versuch, den Lutz zuletzt geschildert hatte..
Dabei sind mir nicht nur, aber auch spektakuläre Beispiele willkommen; am besten solche, die auch ein Laie leicht begreifen kann (für Klienten).  :)
Zwischendurch ein Dankeschön an alle Schreiberlinge.

LG Miraculus
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Lutz am 21. Nov 2006, 20:09 Uhr
Hallo Miraculus,

noch als "Nachtrag": mein scheuer Blick fiel heute zufällig(?) auf einen Passus in dem Buch von Gunther Schmidt (MEG-Urgestein) "Liebesaffären zwischen Problem und Lösung - Hypnosystemisches Arbeiten in schwierigen Kontexten". Dort schreibt er auf S. 56 zu diesem Thema passend:

"Auch die Erfahrungen mit [...] weisen darauf hin, dass wir uns jeden Tag permanent wechselseitig "hypnotisieren" durch kommunikative Angebote, welche die Bahnung von Assoziationen anregen ("hypnotisieren" im Sinne von wirksamer Fokussierung von Aufmerksamkeit auf allen Sinneskanälen, die unwillkürliches Erleben aktiviert)."

Vielleicht hat seine Meinung ja für dich mehr Gewicht als unsere.  :)
Vor diesem Hintergrund dürfte es nicht schwieug sein, zig Beispiele aus dem Alltag zu finden (siehe auch mein 2. Beitrag in diesem Thread).

Ob für dich spektakulär genug, weiß ich nicht, dafür aber schön laut:
"Der" Rockstar auf der Bühne beginnt vor 50.000 Leuten, mit deutlich erhobenen Armen einen Takt zu klatschen. Und schon machen sie alle mit. Noch vor 5 Sekunden wären sie nicht auf die Idee gekommen, aber plötzlich sind sie voll dabei, finden es geil und wissen wahrscheinlich nicht mal, warum.
Oder nimm ne Laola-Welle im Fußballstadion.
Oder nimm dort plötzlich einsetzende Fangesänge (die auch schon wissenschaftlich erforscht wurden).
Oder... ;)

Lieben Gruß
Lutz
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Miraculus am 22. Nov 2006, 12:36 Uhr
Hallo Lutz,

Zitat
Vielleicht hat seine Meinung ja für dich mehr Gewicht als unsere.   :)

es ist ja nicht so, daß Eure Meinung für mich kein Gewicht hätte.
Außerdem stimme ich Euch ja auch inhaltlich zu.  :)

Mir geht es ja nur um Beispiel (danke für die gerade gebrachten  :)) und um die Diskussion, warum diese hypnotisch sind. (In dem letzten Fall ist das ja einfach ersichtlich).

"Laute" Beispiel sind immer gut.  :)
Wie gesagt suche ich u.a. Beispile, die auch einen Laien von der Alltäglichkeit hypnotischer Suggestion überzeugen und daher möglichst beeindruckend sein sollten, und da haben wir ja schon manches dzusammengetragen.  :)

LG Miraculus
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Tom am 22. Nov 2006, 17:26 Uhr
Hallo Miraculs,

Hypnose und Suggestionen im Alltag:

http://www.hpz.com/gratishypnosebuch/hypnosebuch.html

Da findest du doch ne Menge (ich dachte dies kennst du bestimmt schon). Und wen du überzeugen willst, druckst dus einfach aus.

 ;D ;D ;D

Tom.
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Miraculus am 24. Nov 2006, 12:17 Uhr
Hallo DeTrance,

ich kenne (und schätze) das ebook durchaus (danke für den Hinweis  :)), nur:

Wie soll ich jemandem so einfach den Zusammenhang klarmachen, der zwischen einigen Formulierungen einerseits und dem Vergessen des eigenen namens andererseits besteht? :o

LG Miraculus
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Lutz am 24. Nov 2006, 13:27 Uhr
Hallo Miraculus,

sollen sollst du ja gar nicht, aber wollen willst du offenbar.  :)
In einem Vorgespräch mit ein paar Beispielen auf Normalität und Alltäglichkeit einer Trance hinzuweisen, ist ja nicht unüblich und wohl auch dienlich.
Warum du aber offenbar zusätzlich noch eine kurze und für einen Laien nachvollziehbare Abhandlung über das Phänomen 'Hypnose' und die Alltäglichkeit gegenseitiger menschlicher Beeinflussung folgen lassen willst, bleibt mir bisher verborgen.

Ich fürchte für dich, dass dieser Versuch "ins Gegenteil" umschlagen könnte - wenn ein Klient nämlich zu denken beginnt: "Ich weiß doch, was Hypnose ist!!! Der hat ja gar keine Ahnung!"
 ;D

Lieben Gruß
Lutz
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Miraculus am 27. Nov 2006, 20:10 Uhr
Hallo Lutz,

Zitat
Warum du aber offenbar zusätzlich noch eine kurze und für einen Laien nachvollziehbare Abhandlung über das Phänomen 'Hypnose' und die Alltäglichkeit gegenseitiger menschlicher Beeinflussung folgen lassen willst, bleibt mir bisher verborgen.

Um die Alltäglichkeit der Hypnose noch besser einsichtig zu machen.

Zitat
Ich fürchte für dich, dass dieser Versuch "ins Gegenteil" umschlagen könnte - wenn ein Klient nämlich zu denken beginnt: "Ich weiß doch, was Hypnose ist!!! Der hat ja gar keine Ahnung!" ;D

Das wäre nun llerdingswirklich gar nicht im Sinne des Erfinders!  ;D :o ;D

LG Miraculus
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: mipooh am 05. Dez 2006, 10:30 Uhr
Zitat von: Lutz
denn als Hypnose würde ich nur ein Tun beschreiben, bei dem der Handelnde die Folgen seines tranceinduzierenden Tuns auch als solche kennt und diese auch will oder zumindest akzeptiert

Dies ist für mich die einzig sinnvolle Abgrenzung zur Suggestion, die von allem und immer ausgeht.
Irgendsoein altes Sprichwort sagte, Du kannst keinen Weg gehen ohne Spuren zu hinterlassen, in die andere treten können.

Schön zu wissen, nur ändert das Wissen nichts am Prinzip. (Dieser Satz auch an Barbara wegen dieses Satzes : "Ich persönlich finde es allerdings auch manchmal ziemlich schwierig, abzuwägen, wie man sich richtig ausdrücken kann, ohne irgendwelche Suggestionen vom Stapel zu lassen.")

Schreibe ich auf Deinen Beitrag, dann hat das eine Wirkung. Man könnte von einer  Suggestion sprechen, denn ich habe eine Perspektive beim Schreiben, die mich Worte benutzen lässt, die irgendetwas bewirken werden. Das weisst Du erst dann, wenn dies bereits in Deinem Bewusstsein ist und längst wirkt.
Und Du wirst nicht einmal wissen können, ob ich nun Deine Zustimmung oder Deine Ablehnung provozieren möchte. Lehnst Du ab, woher willst Du wissen, ob ich nicht genau dies wollte? Ich also die Zustimmung habe, die ich haben wollte, nämlich Deine Ablehnung.

Wenn ich wollte, dass ich wirklich und ganz sicher keinerlei Wirkung auf Dich habe, dann dürfte ich gar nicht schreiben.
Nur hypnotisch ist dadurch dass ich schreibe noch gar nichts.

Kann aber sein, dass eine Phrase aus meinem Geschriebenen Dich in Trance versetzen soll und eine ganz bestimmte Reaktion hervorrufen soll. Du wirst es aber vielleicht gar nicht wissen, weil Du nicht die Trance erwartest, die Du hast sondern eine andere...

Dann, und nur dann, wenn dies auch wirklich so geschieht, wie ich das induzieren wollte und wenn der Prozess abläuft, dessen Ablauf ich geplant hatte, kann man von Hypnose sprechen. Ob ich es dann Hypnose nennen würde, wäre untergeordnet.

Warum habe ich nur den Eindruck, dass Du seit zwei Jahren immer noch um dasselbe Thema eierst?

Alles was einen Eindruck macht, hinterlässt auch einen. Dies ist Suggestion.

In einer Nebenfrage, die vielleicht die eigentliche Hauptfrage ist, möchtest Du wissen, wie Du denn nun anderen vermitteln solltest, wo die Unterschiede liegen. Wozu solltest Du das tun? Und wenn Du es schon unbegingt tun möchtest, wieso reicht Dir nicht, dass Hypnose die beabsichtigte Induktion von Trance mit dem Zweck einer Begegnung von Inhalten in Trance ist?
Für Inhalte darftst Du nun wieder Suggestionen setzen, wenn Du magst, da ja alles was einen Eindruck hinterlässt, Suggestivkraft hat.

Wir existieren nunmal. Und dadurch, dass wir uns erlauben vor anderen Menschen in Erscheinung zu treten, werden wir suggestiv wirken, egal was wir suggerieren wollen. Ob wir suggerieren wollen, dass wir ungeheuer suggestiv sind, oder ob wir suggerieren wollen, dass wir dem anderen völlige Freiheit lassen. Es ist lediglich eine Suggestion, weshalb ich darin übereinstimme, diesen Begriff lieber aus dem Englischen abzuleiten, denn dann ist es eine Anregung und verliert diesen gräßlichen mystisch-magischen Touch einer Manipulation.
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Miraculus am 05. Dez 2006, 13:02 Uhr
Hallo mipooh,

Zitat
In einer Nebenfrage, die vielleicht die eigentliche Hauptfrage ist, möchtest Du wissen, wie Du denn nun anderen vermitteln solltest, wo die Unterschiede liegen. Wozu solltest Du das tun? Und wenn Du es schon unbegingt tun möchtest, wieso reicht Dir nicht, dass Hypnose die beabsichtigte Induktion von Trance mit dem Zweck einer Begegnung von Inhalten in Trance ist?
Für Inhalte darftst Du nun wieder Suggestionen setzen, wenn Du magst, da ja alles was einen Eindruck hinterlässt, Suggestivkraft hat.

"begegnung von Inhalten" klingt interessant.

lG Miraculus
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Miraculus am 02. Apr 2007, 13:10 Uhr
Hallo Miraculus,

sollen sollst du ja gar nicht, aber wollen willst du offenbar.  :)
In einem Vorgespräch mit ein paar Beispielen auf Normalität und Alltäglichkeit einer Trance hinzuweisen, ist ja nicht unüblich und wohl auch dienlich.
Warum du aber offenbar zusätzlich noch eine kurze und für einen Laien nachvollziehbare Abhandlung über das Phänomen 'Hypnose' und die Alltäglichkeit gegenseitiger menschlicher Beeinflussung folgen lassen willst, bleibt mir bisher verborgen.

Ich fürchte für dich, dass dieser Versuch "ins Gegenteil" umschlagen könnte - wenn ein Klient nämlich zu denken beginnt: "Ich weiß doch, was Hypnose ist!!! Der hat ja gar keine Ahnung!"
 ;D

Lieben Gruß
Lutz

Hallo zusammen,

das Thema möchte ich nochmalsaufnehmen, und die Antwort an Lutz ergibt sich aus http://www.hypnose-service.de/forum/index.php?topic=557.0
Es erscheint mir einfach sachlich angemessener, mehr auf das Phänomen der Suggestion und des unbewußten Agierens und Reagierens einzugehen, als auf den "erlebbaren" Zustand der Trance, der offenbar nicht generell für Hypnose notwendig ist.

Wenn jemand noch Beispiele von alltäglicher Suggestion machen kann, besonders solche, wo die unbewußte-unwillkürliche Art der Realisierung offenkundig ist, dann bin ich ihm verbunden.
(Wir haben dank Eurer Mithlife ja schon einiges gesammelt.  :) )

LG Miraculus
Titel: Re: Suggestion und Hypnose im Alltag
Beitrag von: Miraculus am 02. Apr 2007, 13:14 Uhr
Zur Ergämzung meines letzten Beitrages von gerade eben noch:

Zitat
Zitat Lutz:

Zitat
Ich greife dazu ein von Gunther Schmidt zitiertes Beispiel auf: in einem Experiment wird Probanden das Thema "Altern" näher gebracht und sie sollen dazu Fragebögen ausfüllen. Das "eigentliche" Experiment besteht aber darin, dass nach dieser Aktion gemessen wird, wie schnell die Probanden nach diesem Test den Raum und den Flur davor verlassen. Ergebnis: sie gehen langsamer und behäbiger als eine Vergleichsgruppe ohne vorangegangenes Fixieren auf das Thema "Alter".

Wenn sich nun einer der Langsam-Geher mit solchen Dingen nicht auskennt und sie sich nicht erklären kann (wie derjenige, der staunend seine eigene Levitation registriert), dann macht das ja die vorangegangene Suggestion nicht zu einer prinzipiell anderen, hypnotischen.

Oder du definierst es tatsächlich so: wenn jemandem das Hintergrundwissen für ein induziertes Verhalten fehlt, wird die vorangegangene Suggestion "hypnotisch". Diese Auffassung würde ich allerdings nicht teilen.

Um was es mir geht ist das unwillkürlich-autonome Reagieren, nicht die Wissentlichkeit.
"Unbewußtes" Reagieren heißt in dieser Hinsicht nicht, daß man sich der Reaktion nicht bewußt wäre, sondern, daß man sie nicht bewußt-absichtlich auslöst, daß sie vielmehr fremd, dissoziiert wirkt (nicht ich hebe scheinbar meinen Arm, sondern er sich selbst).