Hypnose Hilfe Forum

F o r u m => Rund um das Thema 'Hypnose' => Thema gestartet von: MindCore am 04. Apr 2007, 22:17 Uhr

Titel: Hypnokatharsis
Beitrag von: MindCore am 04. Apr 2007, 22:17 Uhr
Moinsen, hat jemand bereits praktische Erfahrung mit Hypnokatharsis gemacht? Wann ja, in wie fern?

Nur zur Verdeutlichung. In der Hypnokatharsis werden bestimmte Wortgehalte eines Patienten wortwörtlich wiederholt, oder,  Äußerungen werden gespiegelt. ("Papageientechnik" würde man sagen)

Beispiel: Wenn ein Patient stöhnt: "Mensch, das Gefühl ist unerträglich" So Antwortet der Therapeut: "Mensch, das Gefühl ist unerträglich"
Nicht nur das Verständniss für die momentane Lage eines Patienten steht im Mittelpunkt, sondern der Wert seiner Gefühle.

Woch welches Ziel verfolgt diese Technik, und, könnten durch zu häufiges spiegeln die Patienten in ihrem Problem "noch" zusätzlich bestärkt werden?

Gruß Eddie
Titel: Re: Hypnokatharsis
Beitrag von: Lutz am 05. Apr 2007, 00:03 Uhr
Hi Eddie,

Zitat
In der Hypnokatharsis werden bestimmte Wortgehalte eines Patienten wortwörtlich wiederholt

wo hast du denn das her  ???
Hypnokatharsis ist eine Regression zu einem belastenden Ereignis (oder Imagination, also Vorstellung desselben) mit einem "Ausagieren" der damit verbundenen Gefühle. Ein Papagei wird da nicht weit kommen...  ;)

Lieben Gruß
Lutz
Titel: Re: Hypnokatharsis
Beitrag von: Susanne am 05. Apr 2007, 07:20 Uhr
Also ich kenne das nicht als Hypnokatharis - aber wie die Technik heißt ... keine Ahnung. Sie hat allerdings zum Ziel einen kathartischen Effekt:

Das was du beschreibst Eddie ist eine Therapietechnik, die die Emotionen des Klienten aufnimmt und widerspiegelt, den Klienten an der Emotion entlang quasi zurückgleiten läßt - bis hin zum ursprünglichen Gefühl und zum Auslöseereignis.

Dessen Wiedererkennen und Abarbeiten (und hier ist das Katharsiselement) hilft das Trauma zu lösen und loszulassen.

Aber nicht indem man Papagei spielt, sondern die Emotion aufnimmt und widerspiegelt, was eine ausgefeilte Technik ist und viel Feingefühl erfordert.

Gefährlich an der Geschichte ist die mögliche Retraumatisierung und Flash Back Erlebnisse des Klienten.


Warum man das macht? Nun um relevante "Daten" für ein Problem zu finden auf der Vergangenheitslinie des Klienten.

Wen das nun an Time-Line Arbeit, Change History, Reimprinting und/oder Die Technik des Fließens erinnert,
der ist (k)ein Schelm  ;D
Titel: Re: Hypnokatharsis
Beitrag von: Tom am 05. Apr 2007, 07:59 Uhr
Hallo,

ich kennen das, was Eddy berichtet unter dem Begriff "VEE" = verbalisieren emotionaler Erlebnisinhalte aus der Gesprächspsychotherapie von Carl Rogers. Dies ist dabei die Haupt "Interventionstechnik", den Klienten auf sein eigenes Erleben "zurück zu werfen".

Gruß, Tom.
Titel: Re: Hypnokatharsis
Beitrag von: Miraculus am 05. Apr 2007, 12:56 Uhr
Hallo Eddie,

es gibt die weitverbreitete Technik des "aktiven Zuhörens". Das ist aber wohl nicht das, wovon Susanne spricht, denn beim aktiven Zuhören geht es eigentlich nur darum, dem anderen Verständnis zu zeihen (und dabei seine eignen Nerven zu schonen).  ;)

Es sollte aber gerade nicht als Papageientechnik eingesetzt werden, sondern man sollte das, was der andere sagt, aufgreifen, und in anderen Worten wiedergeben.

Außerdem sollte man nicht übertreiben.
Sonst sieht es so aus:

Ein Mann kommt zur Psychotherapie.
Mann: "Ich fühle mich nicht verstanden, Herr Doktor."
Doc: "Sie haben das Gefühl, dass andere sich nicht in sie hineinversetzen können."
Mann: "Ich weiß nicht, was ich tun soll!"
Doc: "Sie sind ratlos!"
Mann: "Ich werde meinem Leben ein Ende setzen."
Doc: "Sie denken an Suizid."
Mann steht auf, springt aus dem Fenster der Praxis des zehnten Stockwerkes.
Doc: "Platsch..."
Titel: Re: Hypnokatharsis
Beitrag von: MindCore am 05. Apr 2007, 17:35 Uhr
Moinsen,
Zitat
wo hast du denn das her
Aus dem Buch vonGeorg Milzner, Ericksons Söhne, Seite 100  :-\

Das steht folgendes: Werner Eberwein (1993), beschreibt, wie Rossi seine hypnokathartische Arbeit damit einleitet, PatientInnen in ihren Konflikten zu halten, indem er ihnen ihre Äußerungen spiegelnd zurückgibt. (...) Im Gegensatz zur Gesprächstherapie, wird in der Hypnokatharsis aber nicht paraphrasiert, d.h. durch Umformulierung des selber Gehalts Verständnis ausgedrückt, sondern wortwörtlich wiederholt.

Gruß Eddie
Titel: Re: Hypnokatharsis
Beitrag von: Lutz am 05. Apr 2007, 23:10 Uhr
Hi Eddie,

Zitat
Werner Eberwein (1993), beschreibt, wie Rossi seine hypnokathartische Arbeit damit einleitet,

vielleicht kommt das Missverständnis ja daher, dass in dem Buch tatsächlich nur die Einleitung eines Verfahrens gemeint ist, das aber an sich ein anderes ist.

Lieben Gruß
Lutz
Titel: Re: Hypnokatharsis
Beitrag von: MindCore am 06. Apr 2007, 07:08 Uhr
Moinsen,
Zitat
vielleicht kommt das Missverständnis ja daher, dass in dem Buch tatsächlich nur die Einleitung eines Verfahrens gemeint ist, das aber an sich ein anderes ist.
Könnte sein, dachte ich nachträglich auch schon. Aber da sich die Überschrift des Kapitels, Hypnokatharsis nennt, gehe ich mal davon aus, dass sich der Inhalt auch darauf bezieht.

Gruß Eddie
Titel: Re: Hypnokatharsis
Beitrag von: Lutz am 06. Apr 2007, 17:10 Uhr
Hi Eddie,

hier ein Zitat von Eberwein selbst:

"Hypnokatharsis ist das Durchfühlen einer psychodynamischen Abwehr, begleitet von einem Halt gebenden und empathisch verstehenden Therapeuten. (...) Ich möchte Ihnen eine Sequenz aus einer Sitzung vorstellen, die in einer altersregressiven Trance durch eine emotionale Katharsis hindurch führte."

Quelle: http://www.werner-eberwein.de/content/view/56/68/

Auch Eberwein meint damit also offensichtlich keineswegs eine "Papageientechnik", da ist wohl tatsächlich das Buch missverständlich geschrieben.

Doch egal, wie man das "Kind" nennt, mal zu deiner eigentlichen Frage:
Zitat
Woch welches Ziel verfolgt diese Technik, und, könnten durch zu häufiges spiegeln die Patienten in ihrem Problem "noch" zusätzlich bestärkt werden?

Ich wiederhole ganz vereinzelt auch Aussagen von Klienten 1:1, um Ihnen einfach mal zu zeigen, "wie es sich anhört", wenn man (ein anderer) eine bestimmte Aussage trifft. Aber in einem ausschließlichen Anwenden so einer Technik sähe ich wenig Sinn.

Lieben Gruß
Lutz
Titel: Re: Hypnokatharsis
Beitrag von: MindCore am 06. Apr 2007, 17:25 Uhr
Moinsen,
Zitat
Auch Eberwein meint damit also offensichtlich keineswegs eine "Papageientehnik", da ist wohl tatsächlich das Buch missverständlich geschrieben.
Das kann sehr gut sein. Danke für deinen Link! ;D

Zitat
Aber in einem ausschließlichen Anwenden so einer Technik sähe ich wenig Sinn.
Edit: Siehst du auch eine eventuelle Gefahr in dieser Technik?

Gruß Eddie
Titel: Re: Hypnokatharsis
Beitrag von: Sandy am 06. Apr 2007, 18:50 Uhr
Danke für den interessanten Link!  :)
Titel: Re: Hypnokatharsis
Beitrag von: Lutz am 06. Apr 2007, 20:24 Uhr
Eine "Gefahr" sehe ich nur insoweit, als dass ein Klient sich vera... fühlen könnte und an der Sinnhaftigkeit des Vorgehens und/oder der Kompetenz eines Therapeuten zweifelt.  :)

Lieben Gruß
Lutz
Titel: Re: Hypnokatharsis
Beitrag von: Sandy am 06. Apr 2007, 21:39 Uhr
Eine "Gefahr" sehe ich nur insoweit, als dass ein Klient sich vera... fühlen könnte und an der Sinnhaftigkeit des Vorgehens und/oder der Kompetenz eines Therapeuten zweifelt.  :)

Lieben Gruß
Lutz

*g* vielleicht wird er auch einfach  nur sehr viel lauter antworten, in der Annahme sein Therapeut wäre schwerhörig.  ;D
Titel: Re: Hypnokatharsis
Beitrag von: Miraculus am 07. Apr 2007, 13:42 Uhr
@ Eddie:

Abgesehen von der speziellen "Papageientechnik" kann antürlich auch eine Abreaktion an sich problematisch sein.
Freud soll wegen heftiger karthartischer Abreaktionen mit der Hypnose aufgehört haben. So eine der 200 Gerüchte, warum Freud die Hypnose verworfen hat.

LG Miraculus
Titel: Re: Hypnokatharsis
Beitrag von: Lutz am 07. Apr 2007, 14:32 Uhr
Zitat
Freud soll wegen heftiger karthartischer Abreaktionen mit der Hypnose aufgehört haben. So eine der 200 Gerüchte, warum Freud die Hypnose verworfen hat.

Jetzt sind es für mich 201...  ;D
Titel: Re: Hypnokatharsis
Beitrag von: Miraculus am 07. Apr 2007, 14:38 Uhr
@ Lutz:  ;D

@ alle: Es ist aber wohl so, daß immer dann, wenn während einer Trance "negative" Gefühle ins Bew. kommen, eine Art (Hypnos)kartharsis ststtfindet.

LG Miraculus
Titel: Re: Hypnokatharsis
Beitrag von: Tom am 07. Apr 2007, 14:38 Uhr
Hallo zusammen,

ich war ja letzens mit Siggi Freund mal abend ein Bierchen zischen  ;)

Ich war natürlich ganz neugierig, vir allem warum er mit der Hypnose aufgehört hat; ich habe ihm auch empfohlen, mal in dieses Forum zu schauen; aber das wollte er nicht; er sagte mir, er hätte doch genau herausgearbeitet, wie die Psychodynamik des Menschen funktioniere, und da sieht er keinen Bedarf, noch was Neues dazu lernen zu können.

Er hätte ja schon die Couch eingeführt, damit er nicht immer seine Patienten anschauen muss, und diese ihn. Er erträgt dies einfach nicht. Bei der Hypnose war er ständig mit Phänomenen konfrontiert, die teilweise seiner Psychoanalyse widersprachen. Da hat er die einzig logische Konsequenz gezogen: die Hypnose aufgeben, weil sie Fehlerhaft sein muss.  ;D

Gruß,
Tom.
Titel: Re: Hypnokatharsis
Beitrag von: Lutz am 07. Apr 2007, 15:30 Uhr
@ Miraculus:

Zitat
Es ist aber wohl so, daß immer dann, wenn während einer Trance "negative" Gefühle ins Bew. kommen, eine Art (Hypnos)kartharsis ststtfindet.

Das seh ich nicht so. Vielleicht sollten wir mal kurz ansprechen, was denn eine "Katharsis" eigentlich ist.
Katharsis ist z.B. ein "Fachbegriff" aus der griechischen Tragödie. Da bilden sich im Laufe des Schauspiels zunächst unvereinbare Konflikte heraus, die - das weiß der Zuschauer schnell - irgendwann zum "Knall" führen müssen. Und wenn der (tragische) Held des Stücks dann endgültig nicht mehr weiter weiß, rastet er irgendwann aus und versucht, ein Problem zu lösen - gerne mit Blut, also in Form von Mord oder Selbstmord. Und obwohl sowas einerseits nicht gerade schön und nicht immer gesetzeskonform ist, hat es doch auf der anderen Seite auch sein Gutes - der Konflikt ist nun nämlich beendet. Insofern hat es auch was 'Reinigendes', nichts ist mehr wie vorher.

Und das ist genau das, was m.E. eben nicht zwangsläufig geschieht, nur "wenn negative Gefühle ins Bewusstsein kommen".
Das allein reinigt und ändert eben für sich genommen noch nichts, sondern macht vielleicht noch viel deprimierter.

Ansonsten könnte man sich ja gezielt auf die Suche nach traumatischen Erinnerungen machen, diese ins Bewusstsein heben und dann auf eine reinigende Wirkung vertrauen (es gibt zwar auch solche Therapieansätze, denen fühle ich mich aber nicht verbunden...).

@ Tom:
Prost und grüß Siggi!  :U)

Lieben Gruß
Lutz
Titel: Re: Hypnokatharsis
Beitrag von: Miraculus am 07. Apr 2007, 16:23 Uhr
Hallo Lutz,

dem kann ich zustimmen.
Ich dachte eigentlich mehr an meine hypnotischen Sitzungen, wo bei der Bearbeitung eine Problems mit der Erinnerung spontan solche Gefühle auf den Tisch kommen (was wir dann auch bearbeiten).

@ DeTrance. Dann hat Freud jetzt den 202. Erklärungsversuch geliefert.  ;D

LG Miraculus