Hypnose Hilfe Forum
F o r u m => Rund um das Thema 'Hypnose' => Thema gestartet von: Miraculus am 04. Feb 2008, 17:14 Uhr
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Hallo zusammen,
zu diesem Thema inspieirt mich ein Meinungsaustausch, den ich vor einiger Zeit mit einem anderen Hypnotiseur hatte.
Inwieweit behält oder aber verliert der Hypnotisierte während der Hypnose Kontrolle über sein Handeln?
Ich denke dabei an die als bewußt erlebte Kontrolle, nicht an eine auf einer rein unbewßten Ebene.*
Während ich als Hypnotsierter und Hypnostiseur bisher normalerweise das Gefühl hatte, daß die Steuerungsfähigkeit nicht oder nicht wesentlich beeinträchtigt ist, gibt es andere Erfahrungen, etwa die, daß man Schwierigkeiten hat, aus einer Trance zu "erwachen", ohne daß dies durch einen Hypnotiseur suggeriert wird.
Davon abgesehen stellt sich ganz allgemein die Frage, inwieweit der Hypnotisierte zum "Gehorsam" gezwungen ist, wobei ich hier nicht an Extremfälle wie "Verbrechen in Hypnose" denke, sondern an banalere Suggestionen.
In diesem Kontext ist vielleicht auch interessant, inwieweit sich der hypnotische Rapport diesbezüglich von einem allgemeinen psychologischen Rapport unterscheidet, wenn er dies denn tut, und ob der Hypnotisierte ihn "durchbrechen" oder selbständig auf eine andere Person verlagern kann.
( Siehe auch unsere aktuelle Diskussion ( http://www.hypnose-service.de/forum/index.php?topic=922. )
Es scheint hier unterschiedliche Erfahrungen zu geben, wie es typischerweise aussieht, und mich würde interessieren, welche Erfahrungen andere Hypnotiseure hierzu haben.
LG Miraculus
*(Die Frage, inwieweit man im Alltag bewußte Kontrolle über sein Verhalten hat, sei hier außenvorgellassen; es mag in diesem Zsammenhang genügen, daß man sie subjektiv erlebt.)
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Hallo Miraculus,
Während ich als Hypnotsierter und Hypnostiseur bisher normalerweise das Gefühl hatte, daß die Steuerungsfähigkeit nicht oder nicht wesentlich beeinträchtigt ist, ...
so ein Gefühl kann ja trügerisch sein. Manche schreiben es diesem Gefühl ja auch zu, dass sie gar nicht in Trance (gewesen) seien. Interessant wird es erst, wenn man wirklich mal ausprobiert, sich "aus der Trance zu lösen"...
Vor ein paar Wochen erzählte mir eine Klientin, dass sie etwas Interessantes in einem Hypnosebuch gelesen habe: Erickson habe sich mit einer Klientin in Trance über Trance unterhalten und die Klientin habe dabei gar nicht realisiert, dass sie in Trance gewesen sei.
Während unserer späteren Sitzung fiel mir dies wieder ein, also ließ ich sie die Augen öffnen und begann mit ihr ein Gespräch über Trance. Sie sprach dabei recht langsam mit leiser Stimme, während sie mit ihren Augen fast starr geradeaus blickte und sich bei all dem nicht einen cm bewegte.
Nach der Sitzung fragte ich sie, ob sie sich an unser Gespräch erinnern könne. Ja, das könne sie, aber sie sei währenddessen ja auch nicht in Trance gewesen... :ratlos:
Ich kenne es aus eigenem Erleben (als Hypnotisierter) sehr wohl, "rauszuwollen" und nicht zu können (sogar ansatzweise aus der Selbsthypnose. ;) ). Und in der Literatur gibt es auch Berichte darüber, z.B. von jemandem, der dringend zur Toilette musste, aber nicht konnte (bei Eberwein oder Schütz gelesen).
Lieben Gruß
Lutz
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Hallo Lutz,
ich würde vermuten, daß es sehr viel mt Einstellungen und Erwartungen hat, die ja oft auch auf eine (zum Teil unbewußte) Vermittlung durch den Hypnotiseur zurückgehen.
So weiß man ja z.B., daß die Fähigkeit, hypnotischen Suggestionen zu widerstehen, wesentlich davon abhängt, was man den Probanden sagt, was typisch für gute hypnotische Subjekte ist.
Ebenso hängt das Auftreten einer posthypnotische Amnesie wenigstens größtenteils von der Erwartung ab, ob man eine erleben wird oder nicht.
Irgendwie käme mir z.B. gar nicht in den Sinn, während einer Hypnose nicht rauskommen zu können, und vermutlich auch meinem UB auch nicht. :D
Die Erfahrungen, die man mit Hypnose machen kann, können ja recht unterschiedlich sein.
@ alle:
Gibt es sonst noch jemanden, der ähnliche Erfahrungen des Kontrollverlustes als Hypnotiseur oder Hypnotisierter gemacht hat?
LG Miraculus
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Gibt es sonst noch jemanden, der ähnliche Erfahrungen des Kontrollverlustes als Hypnotiseur oder Hypnotisierter gemacht hat?
Ja, ich.
Bevor meine erste Live Hypnose als Hypnotisand überhaupt erst los ging, war ich komplett kataleptisch und konnte nicht reden. :o Dabei war der Hypnotiseur noch nicht mal im Zimmer! ::) Fazit: Jede Hypnose ist Selbsthypnose? :D
Ganz anders beim Testen neuer Sessions im Selbstversuch, geführt von Kollegen. Da kann ich mich an manchen Stellen (nicht nach Belieben!) aus der Trance loseisen. Wie auch sonst, sollte ich dem Kollegen klar machen, wie genau ich die Session gerne hätte. 8)
Als Hypnotiseur gebe ich meinen Hypnotisanden auf Grund o.g. Erfahrungen viel Raum zum Interagieren.
Aloha nui
Sunny
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Hallo zusammen,
erst einmal danke für Euere Erfahrungen. :)
Ein anderes Forumsmitglied hatte ja von einem ähnlichen Erlebnis berichtet.
http://www.hypnose-service.de/forum/index.php?topic=116.0
Zitat Sunny:
Fazit: Jede Hypnose ist Selbsthypnose? :D
Wenn man dies als rein bewußte Steuerung verstehen würde, würde diese Aussage in dieser Allgemeinheit wohl wirklich "zu weit" gehen.
Es kann offenbar auch ein unbewußter Mechanismus sein.
So, wie wenn wir sagen, daß jemand z.B. bei einer Konversionsstörung Symptome produziert, indem er z.B. an einer rein psychogenen, dissozitiven Erblindung oder Lähmung leidet.
Er "tut" das selbst, aber nicht willentlich und bewußt.
Ich frage mich, ob "Trance" an sich mitunter so etwas wie einen Stupor beinhaltet, der bis zu der Unfähigkeit reichen mag, sich verbal äußern zu können.
Dagegen spricht m.E., daß wohl nur eine deutliche Minderheit das so erlebt, und auch, daß eine einfache Gegensuggestion vor oder während der Hypnose eine wirkungsvolle Prävention ist.
Viele Erscheinungen der Hypnose liegen ja an der Erwartung.
Der "große Hypnotismus" von Charcot bestand aus mehreren Stadien, war aber das Produkt der Erwartungshaltung seiner Patintinnen.
Bei Mesmer andererseits gab es sog. "Krisen", bei denen die Patienten an Krampfanfällen litten und :kotz:.
Sie waren keineswegs stuporös.
Könnte also das "akinetische hypnotische Syndrom" ;D allein auf der Erwartungshaltung beruhen, wobei vielleicht auch unbewußte Erwartungen eine Rolle spielen könnten?
Es scheint jedenfalls von der Erwartung abzuhängen, sonst könnte eine simple Gegensuggeston vor der Hypnose (Schaffung einer Erwartungshaltung) es nicht verhindern.
LG Miraculus
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Hallo Miraculus,
Ich frage mich, ob "Trance" an sich mitunter so etwas wie einen Stupor beinhaltet, der bis zu der Unfähigkeit reichen mag, sich verbal äußern zu können.
Stupor (http://de.wikipedia.org/wiki/Stupor) und Trance sind für mich aber nun wirklich zwei unterschiedliche Baustellen... ;)
Lieben Gruß
Lutz
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Hallo Lutz,
natürlich meine ich keinen "echten", krankhaften Stupor. Ich will damit nur die verminderte oder aufgehobene Bewegungsfähigkeit beschreiben. :)
Wir sprechen ja manchmal in der Hypnose auch manchmal von Katalepsie, obwohl wir damit auch keinesfalls die "echte", krankhafte Katalepsie ( http://de.wikipedia.org/wiki/Katalepsie ) meinen, und den Begriff dazu manchmal noch mit Rigor oder Stupor durcheinanderwürfeln.
(Erickson sprach übrigens von einer stuporösen Trance als besonders tiefer Trance, wenn das Verhalten dem eines Patienten mit Stupor glich.)
Trance muß keineswegs mit Stupor einhergehen. Was ich meine sind allein jene speziellen Trancen, bei denen, sagen wir mal, "stuporähnliche" Phänomene auftreten, speziell das Fehlen von Bewegungsfähigkeit.
Die Frage ist eben, wie man diese Bewegungshemmung erklären soll.
LG Miraculus
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Hallo Miraculus,
bei "stuporös" oder "stupor-ähnlich" pp. bin ich bei dir.
Die Frage ist eben, wie man diese Bewegungshemmung erklären soll.
Ich würde es nicht allein als eine Bewegungshemmung betrachten. Es gibt ja auch Fälle, bei denen sich jemand in Trance bewegt und dennoch nicht ("mit dem Kopf") aus der Trance rauskommt...
Lieben Gruß
Lutz
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Hallo Lutz,
okay. Dann nehmen wir diese ganzen "Unfähigkeiten". :D
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Um etwas Schwung reinzubringen:
Wenn die "Freiheitsbeschränkungen" nicht aus der Erwartung kommen - woher dann?
Gibt es eine Alternative?
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Woher kommt Lampenfieber?
Woher kommt Trauer?
...
Menschen tendieren nunmal dazu, unter bestimmten Bedingungen ein bestimmtes Erleben und Verhalten zu zeigen - ganz jenseits einer "Erwartungshaltung". Da gibt es offenbar schon eine Alternative...
Lieben Gruß
Lutz
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Beim Lampenfieber würde ich meinen, daß es letztlich durch die Erwartung (Befürchtung) getriggert ist.
Gut, bei der Trauer ist das anders. Da ist es eine Reaktion.
Aber wie sollte so ein "Kontrollverlust" sozusagen auf kognitiver (,neurophysiologischer) oder psychologischer Ebene ablaufen, wenn nicht als Reaktion auf einer Erwartung analog zum Placebo-Effekt?
lG Miraculus
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Moinsen,
Beim Lampenfieber würde ich meinen, daß es letztlich durch die Erwartung (Befürchtung) getriggert ist.
vieleicht auch aufrgund der Erfahrung die man bisher gemacht hat?
Gruß
Eddie
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vieleicht auch aufrgund der Erfahrung die man bisher gemacht hat?
Dann wäre die Erwartungshaltung lediglich "besser begründbar", ist aber trotzdem nioch immer eine. Denn es gibt keinerlei Grund dazu, man kennt im voraus das Publikum gar nicht, und selbst wenn (teilweise), dann kennt man die Reaktionen nicht.
Gut, bei der Trauer ist das anders. Da ist es eine Reaktion.
Nein, ist sie nicht. Auch hier handelt es sich um eine reine Projektion von Erwartungen. Allerdings ist diese Krankheit dermaßen verbreitet, dass es kaum Ausnahmen gibt, bzw Menschen, die zugeben, dass sie aufgrund einer gewissen Vorleistung nicht klischeehaft reagieren müssen.
Eine Einschränkung der Freiheit bei der Hypnose gibt es nur im "sich einlassen" auf den Hypnotiseur und dies kann jederzeit zurückgenommen werden.
(Gilt natürlich nur für einen selbständigen Menschen, der ansonsten ebenfalls frei ist...)
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Moinsen,
Dann wäre die Erwartungshaltung lediglich "besser begründbar", ist aber trotzdem nioch immer eine. Denn es gibt keinerlei Grund dazu, man kennt im voraus das Publikum gar nicht, und selbst wenn (teilweise), dann kennt man die Reaktionen nicht.
Aber man kennt, wenn auch nur auf tieferer Ebene, seine Reaktion die aus einer "ähnlichen" Situation her resultiert! DANN wäre es wieder ein entsprechendes Muster welches wieder aus der vergangenheit reaktiviert wird.
Gruß
Eddie
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Moinsen,
Dann wäre die Erwartungshaltung lediglich "besser begründbar", ist aber trotzdem nioch immer eine. Denn es gibt keinerlei Grund dazu, man kennt im voraus das Publikum gar nicht, und selbst wenn (teilweise), dann kennt man die Reaktionen nicht.
Aber man kennt, wenn auch nur auf tieferer Ebene, seine Reaktion die aus einer "ähnlichen" Situation her resultiert! DANN wäre es wieder ein entsprechendes Muster welches wieder aus der vergangenheit reaktiviert wird.
Gruß
Eddie
Jo, aber die Vergangenheit würde wohl dadurch wirken, daß man sie auf die Zukunft projeziert. Lampenfieber als "gelernte" Reaktion, als Vorwegnahme des Überls, das man erwartet(!).
LG Miraculus
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Aber man kennt, wenn auch nur auf tieferer Ebene, seine Reaktion die aus einer "ähnlichen" Situation her resultiert! DANN wäre es wieder ein entsprechendes Muster welches wieder aus der vergangenheit reaktiviert wird.
Dass man seine "Verhaltensmuster" wiedererkennt ist kein Merkmal von Freiheit. Im Gegenteil ist man gerade dadurch manipulierbar. Die berühmten Knöpfchen, die uns zu einer etwas komplizierteren Waschmaschine machen.
Je mehr davon da sind und je mehr davon bewusst oder intuitiv vom Hypnotiseur "gedrückt" werden können, um so unfreier ist der Klient.
Dass da im weitesten Sinne Lernprozesse stattgefunden haben, verbessert die Lage nicht, denn diese Lernprozesse sind unvollständig.
Eine Unsinnigkeit ihrer "Anwendung" (die der resultierenden Muster) weist darauf hin.
Die beiden Beispiele (Lampenfieber und Trauer) zeigen das.
Bei beiden befindet sich der Mensch in einer unfertigen Lage. Und es ist unabsehbar, ob der Lernprozess vervollständigt wird. Das wäre aber notwendig um von "frei" zu sprechen.
Im Beispiel "Lampenfieber" ist die gestellte Aufgabe, mit einer Spannung fertigzuwerden, die aus einer Kommunikation mit einer "Überzahl" an Kommunikationspartnern umzugehen resultiert. Lampenfieber zeigt gerade, dass dieser Mensch sich (die Situation) da nicht (vollständig) beherrscht. (bzw ein Leben lebt, dem er nicht gewachsen ist)
Bei der "Trauer" geht es um das Loslassen einer Bindung. Was bei ein wenig Nachdenken durchaus vorhersehbar gewesen wäre, ausser dem konkreten Zeitpunkt.
Natürlich findet ein Hypnotiseur Menschen vor, die an irgendeiner Stelle ihrer Persönlichkeit unfertig sind. Und diese Unfertigkeiten lassen sie unfrei sein, unabhängig vom guten Willen des Hypnotiseurs. Insoweit ist deren Freiheit eingeschränkt, nicht aber wegen der Hypnose. Ein freier Mensch kann sich aber durchaus auch mit einem Hypnotiseur in Trance begeben ohne diese Freiheit deswegen aufzugeben. Hier wird es aber "hochtheoretisch", denn dieser vollständig freie Mensch ist ein seltenes Exemplar...
In der Praxis ist es doch so, dass Menschen gerade wegen irgendwelcher Verhaltensmuster einen Hypnotiseur aufsuchen, diese erkennen und/oder auflösen bzw den damit zusammenhängenden Lernprozess vervollständigen mögen. Insoweit sind sie natürlich unfrei und möchten diese Freiheit erst gewinnen.
Insofern wäre das eigentliche Thema "Freiheit durch Hypnose"....
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Moinsen,
Dass man seine "Verhaltensmuster" wiedererkennt ist kein Merkmal von Freiheit.
Das habe ich so auch nicht explizit behauptet.
Gruß
Eddie